Rückmeldungen aus der Umwelt

Die achtsame Neuentdeckung der Welt

BildHeinz Bück, Chefredakteuer

Wir müssen umdenken. Seit 2010 erfreuten die Sommerreportagen und Online-Berichte über unsere nord-westlichen Nachbarn unsere virtuellen Mitreisenden. Die „Reisen an den Rändern Europas“ waren der Auftakt einer touristischen Neu-Entdeckung unseres einmalig schönen Kontinents. Sie stießen auf reges Interesse, weckten Neugier für Land und Leute. Sie würdigten ihre und unsere gemeinsame stolze Kultur in Europa und sie sensibilisierten für eine imposante Natur: grandios vom Nordwestatlantik bis über den Polarkreis. Noch heute erkunden wir diese Peripherien mit Ehrfurcht als Pfadfinder unserer Leser, berichten von unterwegs und recherchieren vor Ort. Wir wurden beschenkt und inspiriert. Allein deshalb müssen wir umdenken. Denn die Perspektive wechselt angesichts der augenfälligen Folgen der Erderwärmung.

Anfangs kamen die Beiträge für dieses Reportage-Portal zeitnah übers Internet: als Tagesberichte online und ganz schön anstrengend für die Macher. Später waren es daher dann Etappenprotokolle abgesteckter Touren. Sie alle haben selbst aus zeitlich zunehmender Distanz ihre Authentizität und ihre Aktualität auch heute kaum verloren. Einst wie jetzt markieren sie wunderbare „Reisen in Zeit und Raum“. Genau das ist die Story, voll Unterhaltungswert und hoffentlich mit einigem Erkenntnisgewinn für die mitreisenden Leser: „Journatainment“, wie wir es nennen. 2013 entstand daraus das Publikationsprojekt „The Celtic Ways“. Es war sogar preiswürdig und ist unverändert erfolgreich. Dennoch müssen wir umdenken, nicht des Formats wegen, sondern unserer Umwelt zuliebe.

Mit ihrem ausgeprägten Sinn für die Geschichte und Geschichten dieser einzigartigen Regionen bekunden die Beiträge jener Jahre zweierlei: die Liebe zur Natur und großen Respekt vor den Menschen damals wie heute. Am eindrucksvollsten – das weiß jeder Reisende – waren und sind die persönlichen Begegnungen in der Ferne. Denn sie zeigen, wie nah wir uns sind, und sie schärfen den Blick auf das präsente Zeitgeschehen hier wie dort. In vielen Gesprächen unterwegs haben wir uns mehr und mehr den Gegenwartsfragen unserer Nachbarn zugewandt und die betreffen – in den Peripherien wie in den Metropolen – vor allem die Zukunft: Arbeit, Umwelt, Familie, soziale Gerechtigkeit, Generationswandel, Lebensqualität... Unsere Nachbarn suchen dieselben Antworten wie wir. Und mehr noch als die Veränderungen der Gesellschaften und der lokalen Gemeinschaften fallen ihnen und uns allerorten die gravierenden Veränderungen in der Natur auf. Die Erde, unsere gemeinsame Welt, braucht dringend unsere konsequente Rücksichtnahme, ja mehr noch die Umkehr unserer Lebensstile. Denn die Umwelt sind wir alle: füreinander und miteinander.

Die größte Herausforderung unserer Zeit, wenn nicht der Erdgeschichte, stellt inzwischen die menschengemachte Erderwärmung dar. Das verdrehte Wetter lässt sie uns jetzt schon überall spüren. Die signifikante Eindämmung der CO2-Emissionen ist ein längst bekanntes, mehr und mehr drängendes, doch hoch vitales Anliegen, ein zeitkritisches in jedem Wortsinn. Dennoch fehlt immer noch die volle gesellschaftliche Akzeptanz und der entschiedene politische Wille umzuschalten.

Daher fangen wir am besten bei uns selbst an. Eine solche Auto-Sensibilisierung hat natürlich Folgen für das eigene Reisen, besonders für das automobile Reisen. Nach einer langen Zeit unreflektierter Gewohnheit und überkomfortabler Verwöhntheit steht Entwöhnung an. Doch Mobilität hängt ja nicht notwendigerweise am Verbrennungsmotor, sowenig wie Automobile übrigens. Es gibt ja e-Mobilien. Wir werden auch da in vielerlei Hinsicht lernen umzudenken und zu verstehen, wie bereichernd nachhaltiger und sanfter Tourismus für uns selbst ist.

Für das Reisen im Herzen und an den Rändern Europas bedeutet es, das Auto öfter oder ganz stehen zu lassen, weniger zu fahren und dafür zu fähren oder mit Bussen und Bahnen öffentlich zu reisen, zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Unter dem Primat des Naturschutzes und der Reduktion von Treibhausgasen liegt die touristische Neu-Entdeckung der Welt heutzutage in einer achtsameren Fortbewegung und im Verweilen. Der Gewinn für die gemeinsame Welt ist der mögliche Fortbestand einer Natur, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben. Aus berechtigter Sorge, wir könnten sie verlieren, müssen wir nun umdenken und um sie kämpfen. Ja mehr noch um uns, um ihre Kinder und um unsere Enkel kämpfen. Denn wir sind ein Teil von ihr und nicht ein unbeteiligter Dritter.

Der persönliche Gewinn für einen jeden selbst ist eine tiefere Selbsterfahrung – eine Erfahrung des Selbst, anstelle bloßen Fahrens etwa. Unschätzbarer Gewinn für alle ist dabei die literarisch bereits ausgelotete Entdeckung der Langsamkeit. Auch solche Geschichten haben Unterhaltungs-, Erlebnis- und Erkenntniswert. Wir fangen mal an.

  • Generationen-Manifest: für unsere Kinder und Enkel

    Generationen-Manifest: für unsere Kinder und Enkel

    Unser Wachstumswahn droht die Erde für unsere Nachkommen unwirtlich zu machen, warnen 45 Persönlichkeiten und legen ein "Generationen-Manifest" vor, um den kurzsichtigen politischen Debatten hierzulande etwas entgegenzusetzen. Es enthält zehn Forderungen für den Koalitionsvertrag. Hier das Statement von Prof. Hans-Joachim Schellnhuber, dem Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und dem geistigen Vater der international anerkannten 2-Grad-Grenze, über der hinaus die Erderwärmung folgenschwere bis unumkehrbare Folgen für unseren Planeten haben wird. mehr...

  • Austausch über Zero Carbon Ireland

    Austausch über Zero Carbon Ireland

    Paul Allen vom CAT in Wales unternahm im September 2017 eine Promotiontour in Sachen Nachhaltigkeit. Mit seiner Präsentation "Zero Carbon Britain" (ZCB) bereiste der walisische Vordenker und engagierte Klimaaktivist Irland. Zum ZCB-Konzept und den vielen Möglichkeiten einer erfolgreichen Umsetzung von Dekarboniserung hier sein Statement zum aktuellen Projekt des Centre for Alternative Technology: "Making it Happen". Es liefert einen ganzen Werkzeugkasten zur Implementierung des notwendigen Wandels. mehr...

  • Impacts World: Klimawandel hat ungeahnte Kosten

    Impacts World: Klimawandel hat ungeahnte Kosten

    Potsdam, 13.10.2017 – Schlimmstenfalls Hunderte von Millionen Menschen werden innerhalb der nächsten Jahrzehnte von den Auswirkungen des Klimawandels gesundheitlich betroffen sein oder gar zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen werden: durch Dürren und Hitze, durch Stürme und Hochwasser oder durch gewaltsame Konflikte in ihren angestammten Regionen. Gesundheit und Migration wurden bislang kaum im Zusammenhang mit der menschengemachten Erwärmung gesehen, so erste Ergebnisse der Impacts Worls, die vom 11. bis 13. Oktober 2017 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) veranstaltet wurde. mehr...

  • Ab 2022 jährlich 100.000 Elektrofahrzeuge aus Aachen

    Ab 2022 jährlich 100.000 Elektrofahrzeuge aus Aachen

    Aachen, 5. Oktober 2017 – Die e.GO Mobile AG gab bekannt, bis 2022 die Produktion von jährlich 100.000 Elektrofahrzeugen anzustreben. Neben dem Stadtauto e.GO Life sollen auch der autonom fahrende Elektrokleinbus e.GO Mover und der viertürige e.GO Booster in Aachen produziert werden. Alle Fahrzeugmodelle sollen im Aachener TRIWO Technopark, dem ehemaligen Philips-Gelände, hergestellt werden. Werk 1 mit 16.000 Quadratmetern wird derzeit gebaut. mehr...

  • Generationenmanifest

    Generationenmanifest

    Anfang Oktober waren es schon mehr als 200.000, die das Generationenmanifest unterzeichnet hatten: Tendez steigend. 40 prominente Erstunterzeichner hatten sich im September zusammengetan. Eine Expertenrunde kam hinzu, um das Generationenmanifest aufzusetzen. Es fordert von der Politik einen deutlichen Kurswechsel, um "die Erde wieder lebenswert zu machen", wie es wörtlich heißt. mehr...

  • Was Deutschland machen müsste, um das Klima zu retten

    Was Deutschland machen müsste, um das Klima zu retten

    Sind wir wirklich besser als Trump, fragt sich und uns Prof. Volker Quaschning am 6. September 2017 in der Mittwochswerkstatt „Zukunft gestalten". Was Deutschland wirklich machen müsste, um das Klima zu retten, erläutert der Referent in seinem Vortrag im Roten Hörsaal des Audimax der RWTH Aachen, Wüllnerstraße 9, 52062 Aachen. mehr...

  • Bedeutsamster Umweltpreis an H.J. Schellnhuber

    Bedeutsamster Umweltpreis an H.J. Schellnhuber

    Potsdam, 14.06.2017 - Der Blue Planet Prize, die international bedeutendste Auszeichnung für Pioniere der Nachhaltigkeitsforschung, wird im Herbst 2017 an Hans Joachim Schellnhuber, den Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), verliehen. Die japanische Asahi Glas Stiftung in Tokio gab bekannt, ihren mit 50 Millionen Yen dotierten Peis an den Deutschen Schellnhuber zu geben. Von Ihm stammt der wegweisende Beitrag zur Etablierung der Zwei-Grad-Grenze der globalen Erwärmung, auf die sich die Staaten der Welt im Klimavertrag von Paris geeinigt haben. mehr...

  • Durchgeknallt und voll verballert: schönes Neues!

    Durchgeknallt und voll verballert: schönes Neues!

    133 Millionen Euro wurden zu Neujahr an nur einem Tag verballert, das bedeutet Umsatzrekord wie im Vorjahr. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes wurden dabei etwa 4000 Tonnen Feinstaub freigesetzt, 15 Prozent dessen, was der Autoverkehr im ganzen Jahr ausstößt. Unter der Inversionswetterlage fingen sich die giftigen Wolken teilweise bis zum nächsten Tag. Die Weltgesundheitsorganisation führt inzwischen ein Viertel der weltweiten Todesfälle an Lungenkrebs, Herz- und Atemwegserkrankungen auf Feinstaub zurück. mehr...

  • Deutsche Nordseeregion: 3,2 Grad bis Ende 2100

    Deutsche Nordseeregion: 3,2 Grad bis Ende 2100

    Der Nordseeklimabericht „North Sea Region Climate Chance Assessment (NOSCCA)“ wurde am 10. November 2016 vorgelegt. Die deutsche Nordseeküste wird wie viele meeresnahe Gebiete dieser Welt deutlich vom Klimawandel betroffen sein. Wenn die zivilisatorische Emission von Treibhausgasen wie etwa Kohlendioxid nicht deutlich verringert wird, kommt es im Nordseeraum zum Ende dieses Jahrhunderts zu einem Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur um bis zu 3,2 Grad Celsius. Ein fataler Wert, der hoch über der in Paris vereinbarten Grenzmarke von 2 Grad liegt. mehr...

  • Zero Carbon Conversations: Maßnahmen

    Zero Carbon Conversations: Maßnahmen

    Welche Maßnahmen können und sollten wir ergreifen, um dem Klimawandel schnellstmöglich entgegenzuwirken? Wir als Einzelpersonen oder als Mitglieder unserer Gemeinden, unserer Unternehmen, unserer Gesellschaft? Mike Erskine hat Konferenzteilnehmer befragt und in seinen "Zero Carbon Conversations" zu Wort kommen lassen. mehr...

  • Zero Carbon Conversations: Widerstände

    Zero Carbon Conversations: Widerstände

    Welche ist die größte Barriere für einen breiten gesellschaftlichen Wandel? Wo liegen die Widerstände? Individuell, wirtschaftlich oder politisch? Mike Erskine hat Konferenzteilnehmer befragt und in seinen "Zero Carbon Conversations" zu Wort kommen lassen. Hier einige Stimmen aus dem Plenum im Videomitschnitt. mehr...

  • Zero Carbon Conversations: Hoffnung

    Zero Carbon Conversations: Hoffnung

    Was gibt uns Hoffnung, dass wirkungsvolle Maßnahmen zu einer deutlichen CO2-Reduzierung doch noch rechtzeitig ergriffen werden? Was lässt uns hoffen, dass die Gesellschaften weltweit für den notwendigen Wandel eintreten? Teilnehmer der Rapid Transition Conference 2016 geben Mike Erskine Antwort. Seine "Zero Carbon Conversations" bringen Stimmen aus dem Plenum im Videomitschnitt. mehr...

  • Paläoklima: Wetterberichte aus der Vergangenheit

    Paläoklima: Wetterberichte aus der Vergangenheit

    In den Jahresringen von Bäumen, in Korallenriffen und vor allem im Eis sind sie zu lesen: die wetterberichte der Vorzeit. Auch wenn es in der älteren Geschichte keine schriftlichen Aufzeichnungen über unser Klima gab, so gibt es doch sehr aussagekräftige Zeugnisse in der Geologie unserer Erde: Bohrkerne legen die Wetterdaten von Jahrtausenden frei. Sie dokumentieren die Veränderungen und die menschengemachten Einflüsse auf das Klima, wie die Arbeitsgruppe „Paläoklima und Statistik“ am Institut für Küstenforschung in ihrer Forschungsarbeit darlegt. mehr...

  • Rapid Transition Conference: Making it happen

    Rapid Transition Conference: Making it happen

    Für Ende April war die erste "Klimakonferenz" dieses Jahres angesetzt worden, im September folgt die zweite. Auch sie wird im Centre for Alternative Technologies stattfinden, im Walisischen Machynlleth. Die Teilnehmer suchen Ansatzpunkte, Grundlagenwissen und Erfahrungsaustausch. Eine Revision unserer habitualisierten westlichen Lebensstile berührt deshalb weithend alle unsere Lebensbereiche: Sozialverhalten, Wohnen und Arbeiten, Mobilität und die lokale Wirtschaft. mehr...

  • Zero Carbon Britain: Re-Thinking the Future

    Zero Carbon Britain: Re-Thinking the Future

    Sie waren aus ganz GB angereist: Wissenschaftler, Klimaaktivisten, Natur- und Umweltschützer aus allen Grafschaften Englands, Schottlands und Wales. Sie waren gekommen, um baldige Übergänge für eine karbonfreie Gesellschaft zu diskutieren. Was können wir als Einzelne, als Gemeinden und als Gesellschaft tun, um den Klimawandel infolge der menschgemachten Erderwärmung zu mäßigen und die CO2-Emissionen signifikant zu senken. Was können wir tun, ohne auf die Politik zu warten. mehr...

  • Reise in die nähere Zukunft

    Reise in die nähere Zukunft

    Es war ein Reise in die nähere Zukunft. Am fernen Rande von Machynlleth – gut eine Stunde fantastischen Fußwegs vom Bahnhof entfernt – liegt das CAT inmitten der überragenden Bergwelt der Snowdonia Mountains. Hier residiert das WISE, das Wales Institute for Sustainable Education. Als Re-Thinktank der Insel veranstalten die Wissenschaftler hier kontinuierlich eigene offene Klimakonferenzen zur Fort- und Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch. Das Ziel ist eine carbonfreie moderne Gesellschaft. Es geht um die Gestaltung einer klimaverträglichen Zukunft. Lehr- und Lern-Programm des WISE spiegeln die Vielzahl möglicher Ansatzpunkte. Zur Fotostrecke der Reise mit Bildern einer achtsamen Einstellung mehr...

  • Ab in die Zukunft: „Zero Carbon Britain“

    Ab in die Zukunft: „Zero Carbon Britain“

    CAT steht für „Centre for Alternative Technology (walisisch: Canolfan y Dechnoleg Amgem“). Hier in Machynlleth südlich des Snowdonia National Parks hat eine Gemeinschaft von konsequent ökologisch denkenden Protagonisten die Nutzung der erneuerbaren Energien seit den späten 70ern in beispielhafter Weise realisiert und vorangetrieben. In 40 Jahren wurde baulich und sehr pragmatisch umgesetzt, was nachhaltiges Bauen, Leben und Arbeiten auf einem hohen Lebensstandard bedeutet. mehr...